Im Alltag
Krankenversicherung: was Sie wirklich budgetieren sollten
Er gehört zu den grössten festen Posten im Budget — und einer der wenigen, den man einmal im Jahr mit einer einzigen Entscheidung senken kann.
Zwei Systeme, eine Budgetfrage
Rund neun von zehn Menschen in Deutschland sind gesetzlich krankenversichert (GKV), der Rest privat (PKV) — meist Selbstständige, Beamtinnen oder Angestellte oberhalb einer bestimmten Einkommensgrenze. Die Budgetfrage sieht in beiden Systemen unterschiedlich aus, denn es gibt dort nicht dieselbe Stellschraube.
In der GKV: die Kasse wählen, nicht die Leistung
Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung ist gesetzlich festgelegt — er ist bei allen Kassen identisch. Der einzige Unterschied zwischen den rund 70 Kassen ist der Zusatzbeitrag, der auf den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 % aufgeschlagen wird.
| Bruttolohn | 3.500 € |
| Beitrag (paritätisch) bei 2,2 % Zusatzbeitrag | 588 € / Monat |
| Beitrag (paritätisch) bei 4,4 % Zusatzbeitrag | 665 € / Monat |
| Unterschied im Arbeitnehmeranteil | rund 38 € / Monat |
2026 liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 2,9 %, einzelne Kassen verlangen zwischen 2,18 und 4,39 %. Bei identischer Leistung für alle ist das eine reine Preisfrage — genau wie beim Stromanbieter.
⚠️ Ein Wechsel ist einfacher, als man denkt: Erhöht Ihre Kasse den Zusatzbeitrag, greift ein Sonderkündigungsrecht. Die zwölfmonatige Bindungsfrist entfällt, es genügt eine Kündigungsfrist von zwei vollen Monaten.
In der PKV: der Selbstbehalt, dieselbe Rechnung wie eine Franchise
Wer privat versichert ist — oberhalb der Versicherungspflichtgrenze von 77.400 € Jahresbrutto (2026), als Selbstständige oder Beamtin — kann die Prämie über einen jährlichen Selbstbehalt senken. Die Frage ist dieselbe wie bei einer Franchise: übersteigt die jährliche Prämienersparnis den höheren Selbstbehalt ?
| Monatsprämie mit 300 € Selbstbehalt | 420 € / Monat |
| Monatsprämie mit 1.500 € Selbstbehalt | 380 € / Monat |
| Ersparnis übers Jahr | 480 € |
| Unterschied im Selbstbehalt | 1.200 € |
| Kipppunkt | rund 720 € Behandlungskosten |
Unterhalb von etwa 720 € eigenen Behandlungskosten im Jahr lohnt sich der hohe Selbstbehalt. Darüber der niedrige. Anders als in der GKV gibt es in der PKV keine gesetzliche Belastungsgrenze — der Selbstbehalt ist die einzige Bremse nach oben.
Was in der GKV zusätzlich anfällt: die Zuzahlungen
- Medikamente: 10 % des Preises, mindestens 5 €, höchstens 10 € pro Packung — nie mehr als der tatsächliche Preis.
- Krankenhaus: 10 € pro Tag, auf maximal 28 Tage im Kalenderjahr begrenzt — also höchstens 280 € im Jahr (ab 2027 steigt der Satz auf 15 € pro Tag).
- Fahrten und Heilmittel wie Physiotherapie: ebenfalls anteilig, nach denselben Regeln.
Die Belastungsgrenze: Zuzahlungen sind pro Jahr auf 2 % des Bruttoeinkommens des Haushalts gedeckelt, bei chronisch Kranken auf 1 %. Ist die Grenze erreicht, kann man sich bei der Kasse befreien lassen — das geschieht nicht automatisch, man muss es beantragen.
Zusatzversicherungen: ein bewusst gewählter Posten
Zahnzusatz, Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus, Naturheilverfahren, Auslandskrankenversicherung: Das sind private Verträge on top, keine Pflicht. Sie lohnen sich, wenn ein konkreter Bedarf absehbar ist — eine Zahnbehandlung, viele Auslandsreisen —, nicht als pauschales Rundum-Paket, dessen Prämie am Ende mehr kostet als die Leistung wert ist.
Der jährliche Griff, der sich am meisten lohnt
In der GKV die Kasse vergleichen. Bei identischer gesetzlicher Leistung liegt der Unterschied zwischen der günstigsten und der teuersten Kasse schnell bei über 450 € im Jahr für eine Angestellte mit mittlerem Einkommen.
Das ist wahrscheinlich die grösste Ersparnis, die eine Stunde Vergleichsarbeit einbringt — und sie verlangt, auf nichts zu verzichten.
Häufige Fragen
Gesetzlich oder privat versichern?
Für die meisten Angestellten unterhalb der Versicherungspflichtgrenze (77.400 € Jahresbrutto 2026) bleibt die GKV die sicherere Wahl. Die PKV kann jung und gesund günstiger sein, aber die Prämien steigen mit dem Alter, und eine Rückkehr in die GKV ist ab 55 praktisch ausgeschlossen.
Was ist der Selbstbehalt in der privaten Krankenversicherung?
Der Betrag, den Sie pro Jahr selbst tragen, bevor die Versicherung zahlt. Ein höherer Selbstbehalt senkt die Prämie — rechnen Sie die jährliche Ersparnis gegen den höheren Selbstbehalt, um den Kipppunkt zu finden.
Wie hoch sind die Zuzahlungen in der GKV?
10 % pro Medikament (5 bis 10 €), 10 € pro Krankenhaustag bis maximal 28 Tage im Jahr. Insgesamt sind sie auf 2 % des Bruttoeinkommens des Haushalts gedeckelt, 1 % bei chronisch Kranken.
Lohnt sich ein Kassenwechsel wirklich?
Ja: Die gesetzliche Leistung ist bei allen Kassen identisch, nur der Zusatzbeitrag unterscheidet sich — zwischen 2,18 und 4,39 % im Jahr 2026. Ein Wechsel kostet nichts an Leistung, spart aber oft mehrere hundert Euro im Jahr.
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